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Warum Harndrang in den Wechseljahren? Die Rolle von Progesteron – Ursachen, Behandlung und Alltagstipps

Viele Frauen bemerken in den Wechseljahren vermehrten oder plötzlichen Harndrang. Häufig werden Östrogenmangel und Scheidenatrophie genannt – doch welche Rolle spielt Progesteron? Dieser Artikel erklärt, wie Hormone die Blasenfunktion beeinflussen, welche Beschwerden typisch sind und welche Therapien und Selbsthilfemaßnahmen helfen können.

Was verändert sich hormonell in den Wechseljahren?

In den Wechseljahren (Perimenopause und Menopause) kommt es zu einem Rückgang der Ovarialfunktion. Vor allem die Produktion von Östrogen und Progesteron nimmt ab. Östrogenmangel ist gut untersucht in Bezug auf Scheidenatrophie (vaginale Atrophie) und die damit verbundenen urogynäkologischen Symptome wie Scheidentrockenheit, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und vermehrten Harndrang. Progesteron sinkt ebenfalls – seine direkte Rolle bei Harndrang wird aber oft unterschätzt oder missverstanden.

Wie kann Progesteron Harndrang beeinflussen?

  • Indirekte Effekte über Östrogen: Progesteron und Östrogen wirken im Menstruationszyklus zusammen. Wenn beide abnehmen, verstärken sich die Veränderungen des urogenitalen Gewebes.
  • Muskel- und Nerveneinfluss: Progesteron hat in verschiedenen Geweben entspannende Effekte auf die glatte Muskulatur und kann die Erregbarkeit von Nerven modulieren. Ein Progesteronabfall könnte daher Einfluss auf die Blasenmuskulatur und die Reizschwelle haben – die Evidenz ist aber nicht so stark wie beim Östrogen.
  • Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt: Progesteron wirkt natriuretisch (fördert Natriumausscheidung) und beeinflusst damit den Flüssigkeitshaushalt. Veränderungen können theoretisch zu einem anderen Harndrangsmuster beitragen.
  • Wechselwirkung mit anderen Hormonen: Veränderungen im Verhältnis von Östrogen zu Progesteron sowie Einflüsse von Testosteron und Cortisol können kollektive Effekte auf Blase und Beckenboden haben.

Wichtig: Östrogenmangel gilt als der stärkere Treiber urogenitaler Beschwerden. Oft wird Progesteron als Verursacher genannt, die Datenlage zu seinem direkten Einfluss auf Harndrang ist jedoch begrenzt und teils widersprüchlich.

Welche Symptome können auftreten?

  • häufiger Harndrang (auch ohne große Urinmengen)
  • plötzlicher, starker Harndrang (Dranginkontinenz/Überaktive Blase)
  • nächtlicher Harndrang (Nykturie)
  • Harninkontinenz bei Belastung (z. B. Husten, Niesen, Laufen)
  • Wiederkehrende Harnwegsinfekte durch Scheidentrockenheit und veränderte Schleimhaut

Untersuchung: Was kann der Arzt/die Ärztin tun?

Wenn Harndrang neu auftritt oder sich deutlich verschlechtert, sollte medizinisch abgeklärt werden. Typische Schritte:

  • Anamnese (Menge, Häufigkeit, Drang, Auslöser), Blasentagebuch
  • Urinuntersuchung zum Ausschluss einer Infektion
  • gynäkologische Untersuchung zur Beurteilung von Scheiden- und Schleimhautveränderungen
  • Urodynamik oder Blasenspiegelung bei unklaren Fällen
  • Bei wiederholten Infekten Abklärung der anatomischen Verhältnisse

Behandlungsoptionen: Hormone und mehr

Die Therapie richtet sich nach Ursache und Schwere der Beschwerden. Mögliche Ansätze:

1. Lokale Östrogentherapie

Für viele Frauen mit urogenitaler Atrophie ist eine lokale vaginale Östrogenbehandlung (Creme, Tablette, Ring) sehr effektiv: Sie verbessert die Schleimhaut, vermindert Reizbarkeit der Harnröhre und kann Harndrang und wiederkehrende Infekte reduzieren. Diese Therapie wirkt gezielt und hat in der Regel weniger systemische Effekte als eine Tabletten-Hormontherapie.

2. Systemische Hormontherapie

Eine systemische Hormonersatztherapie (Östrogen +/- Progesteron) kann klimakterische Beschwerden insgesamt lindern. Ob sie Harndrang gezielt bessert, ist individuell unterschiedlich. Bei Frauen mit Gebärmutter wird Progesteron zur Endometriumprotektion eingesetzt; die Entscheidung für eine systemische Hormontherapie sollte individuell unter Abwägung von Nutzen und Risiken erfolgen.

3. Spezifische Medikamente gegen überaktive Blase

Antimuskarinika (z. B. Trospium, Solifenacin) oder Beta-3-Agonisten (z. B. Mirabegron) reduzieren Drang und Inkontinenz. Diese Mittel zielen direkt auf die Blasenfunktion und sind unabhängig vom Hormonstatus.

4. Nicht-medikamentöse Maßnahmen

  • Beckenbodentraining / Physiotherapie
  • Bladder training (Pläne zur Verlängerung der Zeit zwischen den Toilettenbesuchen)
  • Gewichtsreduktion bei Übergewicht
  • Vermeidung von Blasenreizstoffen (Koffein, Alkohol, scharfe Speisen)
  • Flüssigkeitsmanagement: ausreichend, aber keine extreme Reduktion

5. Invasive Optionen

Bei therapieresistenter Dranginkontinenz sind Botulinumtoxin-Injektionen in die Blase, Nervstimulation (Sakralneuromodulation) oder operative Verfahren Optionen. Für Stressinkontinenz gibt es Beckenboden-OPs bzw. Schlingenverfahren.

Was ist mit progesteronhaltigen Präparaten?

Progesteron wird meist in systemischen Kombinationspräparaten zur Gebärmutterschutz eingesetzt. Reine Progesteronpräparate werden selten gezielt zur Behandlung von Harndrang empfohlen, denn die Evidenz für eine direkte Wirkung auf Blasenbeschwerden ist schwach. Einige Frauen berichten subjektiver Besserung bei HRT-Kombinationen, doch ist hier der Einfluss des wieder zugeführten Östrogens oft mitverantwortlich.

Praktische Tipps im Alltag

  • Führen Sie ein Blasentagebuch (Trinkmenge, Toilettengänge, Inkontinenzepisoden) – hilft bei der Diagnose.
  • Regelmäßiges Beckenbodentraining: sichtbarster Nutzen bei Stressinkontinenz, oft auch bei Drangsymptomen unterstützend.
  • Probieren Sie lokale Östrogenpräparate bei Scheidentrockenheit und wiederkehrenden Infekten.
  • Reduzieren Sie koffeinhaltige Getränke, Alkohol und stark gewürzte Speisen, die die Blase reizen können.

Wann sollten Sie ärztliche Hilfe suchen?

Suchen Sie eine Ärztin oder einen Arzt auf, wenn der Harndrang neu ist, sich plötzlich deutlich verschlechtert, mit Schmerzen beim Wasserlassen einhergeht, Blut im Urin auftritt oder Sie Ihren Alltag/Wohlbefinden stark einschränkt. Auch wiederkehrende Harnwegsinfekte sollten abgeklärt werden.

Weiterführende Informationen

Mehr zu Wechseljahresbeschwerden und Blasenproblemen finden Sie z. B. bei der Apothekerkammer oder spezialisierten Gesundheitsseiten:

Fazit

Der Rückgang von Progesteron gehört zur hormonellen Umstellung in den Wechseljahren. Für Harndrang ist primär der Östrogenmangel und die daraus resultierende urogenitale Atrophie verantwortlich. Progesteron kann jedoch indirekt Einfluss nehmen. Die Behandlung ist individuell: lokale Östrogentherapie, gezielte Medikamente gegen eine überaktive Blase sowie konservative Maßnahmen wie Beckenbodentraining bringen vielen Frauen deutliche Besserung. Eine ärztliche Abklärung klärt Ursache und passende Therapie.

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