Port versorgen: Praxisnahe Anleitung, Prophylaxe und Checkliste für Pflegekräfte und Betroffene
Klare, sichere Portversorgung reduziert Komplikationen und erhöht den Therapieerfolg. Diese Anleitung erklärt Schritt für Schritt, worauf es bei Vorbereitung, Punktion, Spülung, Verbandwechsel und Dokumentation ankommt.
Was ist ein Port und warum ist die richtige Portversorgung wichtig?
Ein Port (Portkatheter) ist eine subkutan implantierte Hohlkammer mit angeschlossenem zentralvenösem Katheter. Er dient als Langzeitvenenzugang für Chemotherapie, parenterale Ernährung oder wiederholte Blutentnahmen. Die richtige Portversorgung minimiert Infektionsrisiken, verhindert Thrombosen und sichert die Funktionalität über die gesamte Behandlungsdauer.
Grundprinzipien der Portversorgung
- Asepsis: Strenge aseptische Technik bei Punktion, Verbandswechsel und Spülungen.
- Händehygiene: Händedesinfektion vor und nach jedem Kontakt.
- Material- und Verfahrenssicherheit: Verwendung steriler Materialien und Einhaltung lokaler Protokolle bzw. Herstellerangaben.
- Dokumentation: Zeitpunkt, verwendete Materialien, Flüssigkeiten (NaCl/Heparin), Besonderheiten und Patient*innenreaktionen dokumentieren.
Benötigtes Material (Beispiel)
- Händedesinfektionsmittel
- Sterile Handschuhe, Mundschutz
- Steriles Abdecktuch
- Hautdesinfektionsmittel (z. B. alkoholisches Präparat entsprechend Herstellerangaben)
- Huber-Nadel in passender Größe und Länge
- Spezielle Spritzen (vorgefüllt oder sterile Einzelspritzen) mit NaCl 0,9 % und ggf. Heparinlösung nach lokalem Standard
- Transparenter, semipermeabler Verband oder steriler Kompressenverband
- Fixationsmaterial (z. B. Pflaster, sterile Fixierstreifen)
Schritt-für-Schritt: Port punktieren und versorgen
- Aufklärung: Patient*in informieren, Einverständnis einholen, Allergien/Medikamente prüfen.
- Vorbereitung: Material auf sterilem Tisch auslegen, Umfeld vorbereiten, Ruhe gewährleisten.
- Händehygiene & Schutz: Händedesinfektion durchführen, sterile Handschuhe und ggf. Mundschutz anlegen.
- Hautdesinfektion: Punktionsstelle großzügig und gemäß Herstellerangaben desinfizieren (Einwirkzeit beachten).
- Punktion: Huber-Nadel axial in die Portkammer einführen — ohne die Membran zu beschädigen. Rücklauf kontrollieren (venöser Rücklauf bestätigt richtige Lage).
- Fixation & Verband: Nadel fixieren (z. B. transparentes Folienverband). Bewegungen der Nadel vermeiden.
- Spülen: Vor und nach jeder Anwendung mit NaCl 0,9 % spülen (Patronen- oder Spritzenflushing). Dauer/Volumen nach lokalem Standard (z. B. 10 ml). Heparinisierung je nach Protokoll (z. B. Heparin 100 IE/ml) — lokale Richtlinien beachten.
- Entfernen: Nach Gebrauch Nadel atraumatisch entfernen, Desinfektion, steriler Verband anlegen.
- Dokumentation: Prozedur, verwendete Mengen (NaCl/Heparin), mögliche Probleme/Patientenreaktionen dokumentieren.
Portpflege zwischen Anwendungen
- Regelmäßige Sichtkontrolle der Einstichstelle auf Rötung, Schwellung, Schmerzen oder Austritt von Sekret.
- Verbandwechsel: Transparentes Pflaster in der Regel alle 7 Tage oder früher bei Kontamination/Feuchtigkeit; bei Kompressenverband nach lokaler Vorgabe wechseln.
- Huber-Nadel-Verweildauer: Viele Einrichtungen wechseln die Nadel nach bis zu 7 Tagen; lokale Richtlinien beachten.
- Inaktive Ports: Spülen in Intervallen (häufig alle 4–6 Wochen) zur Sicherung der Patency — Vorgehen nach Haus- oder Klinikstandard.
Häufige Komplikationen und wie man sie erkennt
- Infektion: Rötung, Erwärmung, Schmerzen, Fieber, Eiter an der Stelle — sofort melden und weitere Diagnostik/therapeutisches Vorgehen einleiten.
- Thrombose/Obstruktion: Kein oder erschwerter venöser Rücklauf, Schwellung der Arm-/Schulterregion — nicht forcieren, Diagnostik veranlassen.
- Dislokation/Migration: Plötzliche Funktionsstörung oder Schmerzen bei Lageveränderung.
- Hämatom oder Blutung: Druck, Kompression und ggf. ärztliche Konsultation.
Troubleshooting: Keinen Rücklauf — was tun?
- Patient*in tief ein- und ausatmen oder Arm/Schulterposition verändern (kurze Mobilisierung kann helfen).
- Keinen gewaltsamen Aspiration durchführen. Wenn keine Besserung, Port nicht weiter verwenden und ärztliche Abklärung (Bildgebung, evt. Thrombolyse) anfordern.
- Dokumentation des Problems und unmittelbare Information an verantwortliche Ärzt*innen oder Portzentrum.
Tipps für Patient*innen
- Haut über dem Port täglich prüfen, bei Rötung, Schmerzen oder Fieber sofort melden.
- Duschen ist meist erlaubt; echter Badespaß (Schwimmen in Seen/Meer) nur nach Absprache und ausreichendem Narbenheilungszeitraum.
- Schwere körperliche Belastungen/enge Kleidung vermeiden, die auf den Port drücken könnten.
- Portpass/Implantationsausweis immer bei sich tragen.
Dokumentation und rechtliche Aspekte
Dokumentieren Sie jede Maßnahme (Datum/Uhrzeit, Name der durchführenden Person, Material, Mengen NaCl/Heparin, sichtbare Befunde, Besonderheiten). Arbeiten Sie stets nach den verbindlichen Standards Ihrer Einrichtung und der Herstellerangaben. Standards und Delegationsregeln können in Pflegeeinrichtungen oder Ambulanz unterschiedlich sein — orientieren Sie sich an lokalen Vorgaben (z. B. PQSG-Standards).
Weiterführende, seriöse Quellen
- Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) – Informationen zu Ports: https://www.krebsinformationsdienst.de/chemotherapie/portsysteme
- Praxisanleitungen zur Portversorgung: https://www.die-praxisanleitung.de/allgemein/umgang-mit-portsystemen-portversorgng/
- Praxismaterialien & Anleitungen (Draco): https://www.draco.de/portpflege/
- Ressourcen für sichere Portversorgung (Relias): https://relias.de/ressourcen/blog/sichere-portversorgung-umgang-mit-einem-portkatheter/
- Standards und Protokolle (PQSG): https://pqsg.de/seiten/openpqsg/hintergrund-standard-portsystem.htm
Fazit
Saubere, strukturierte Portversorgung kombiniert aseptische Technik, regelmäßige Kontrolle und klare Dokumentation. Befolgen Sie lokale Richtlinien und Herstellerangaben bei Spülprotokollen und Verbandwechseln. Bei Unsicherheit oder Auffälligkeiten immer ärztliche Abklärung einleiten — so bleiben Portsysteme sicher und funktionstüchtig.
Weitere Beiträge
Malar Bags und Festoons: Alles, was Sie wissen müssen
vor 4 Monaten