Permanent Make‑up während Chemotherapie: Sicherheit, Timing und praktische Tipps
Permanent Make‑up während einer Chemotherapie wirft viele Fragen auf: Wann ist es möglich, welche Risiken gibt es und wie finde ich eine geeignete Fachkraft? Dieser Artikel erklärt, was Betroffene wissen sollten — medizinisch fundiert, praxisnah und mit Checklisten für Beratung und Nachsorge.
Warum Permanent Make‑up während Chemotherapie ein Thema ist
Viele Patientinnen und Patienten erleben während einer Chemotherapie Haarausfall, insbesondere der Augenbrauen und Wimpern. Permanent Make‑up (PMU) kann das Selbstbild stärken und das Alltagserleben erleichtern. Gleichzeitig bringt eine systemische Krebstherapie besondere medizinische Risiken mit sich, weshalb das Thema "permanent make up während chemotherapie" sensibel und individuell betrachtet werden muss.
Grundlegende medizinische Aspekte
Während einer aktiven Chemotherapie ist das Immunsystem oft geschwächt. Das bedeutet:
- Erhöhtes Infektionsrisiko bei jeder Hautverletzung.
- Verzögerte Wundheilung und veränderte Pigmentaufnahme durch die Haut.
- Mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten oder beeinträchtigte Blutwerte (z. B. Thrombozyten), die Blutungs- und Infektionsrisiken erhöhen.
Daher raten Onkologen und viele PMU‑Profis in der Regel von neuen Pigmentierungen während einer laufenden Chemotherapie ab. Für ausführliche Informationen zu Nebenwirkungen und zur Therapieplanung siehe den Krebsinformationsdienst: krebsinformationsdienst.de und das Deutsche Krebsforschungszentrum: dkfz.de.
Typische Empfehlungen: Timing und Alternativen
Vor Beginn der Chemotherapie
- Wenn eine PMU‑Behandlung geplant ist und noch Zeit bis zum Therapiebeginn bleibt, kann ein Termin vor der Chemotherapie sinnvoll sein. Wichtig ist genug Zeit für Heilung (mind. 2–4 Wochen, besser 4–6 Wochen) vor Therapiebeginn.
- Vorteil: Die Augenbrauen oder Wimpernlinie bleiben sichtbar, bevor Haarausfall eintritt.
Während der Chemotherapie
- In der Regel wird davon abgeraten. Das Risiko für Infektionen und schlechte Heilung ist erhöht.
- Microblading (hautabschneidende Technik) ist oft weniger empfehlenswert als feinere PMU‑Geräte, da es tiefer in die Haut eindringt.
Nach Abschluss der Chemotherapie
- Viele Fachleute empfehlen eine Wartezeit von mindestens 3–6 Monaten nach Ende der Therapie, bis sich das Immunsystem und die Blutwerte normalisiert haben. Die genaue Zeit sollte mit dem behandelnden Onkologen abgesprochen werden.
- Bei Bestrahlung im behandelten Bereich oder Lymphknotenentfernung können besondere Vorsichtsmaßnahmen gelten.
Spezielle Hinweise für onkologisches Permanent Make‑up
Onkologisches PMU ist ein spezialisiertes Angebot: Künstler*innen und Studios, die damit arbeiten, kennen Bedürfnisse von Krebspatient*innen, haben angepasste Hygienestandards und Erfahrung mit sensibler Haut. Achten Sie bei der Auswahl auf:
- Erfahrung mit onkologischen Patient*innen und Referenzen.
- Nachweise zu Hygiene (Einmalnadeln, Sterilisationsstandard).
- Koordination mit dem Ärzteteam und schriftliche Einverständniserklärungen.
Praktische Checkliste vor einer PMU‑Beratung
- Absprache mit dem behandelnden Onkologen: Sind Blutwerte (Thrombozyten, Neutrophile) stabil?
- Datum der letzten Chemotherapie und ggf. geplanter weiterer Zyklen.
- Vorgeschichte: Operationen, Bestrahlung, Lymphknotenentfernung (seitenspezifische Vorsicht).
- Allergien, Autoimmunerkrankungen oder Hauterkrankungen.
- Nachweise, dass das Studio sterile Einmalmaterialien verwendet und Erfahrung mit onkologischen Fällen hat.
Risiken und realistische Erwartungen
Wichtig zu wissen:
- Pigmentaufnahme kann bei Menschen nach Chemotherapie anders aussehen; mehrere Nachbehandlungen können nötig sein.
- Bei Immunsuppression besteht ein erhöhtes Risiko für Infektionen, Narbenbildung oder schlechtere Farbstabilität.
- Falls Bestrahlung geplant ist, sollten Behandlungen in bestrahlten Hautbereichen besonders sorgfältig geplant oder verschoben werden.
Alternative kosmetische Lösungen
Wenn PMU aktuell nicht empfohlen wird, gibt es wirkungsvolle Alternativen:
- Augenbrauenstifte, Puder, Tönungsprodukte oder Tattoo‑Stifte.
- Temporäre Henna‑ oder Semi‑Permanent‑Farben (mit Vorsicht und vorheriger Allergieprüfung).
- Ansatzweise Produkte wie Fibers (Brow‑Fibers) oder falsche Wimpern für ein geschlossenes Erscheinungsbild.
- Onkologische Kosmetikberatungen bieten oft kostenfreie Tipps und Hilfsmittel – Adressen gibt z. B. die Deutsche Krebsgesellschaft.
Häufige Fragen (FAQ)
Ist Permanent Make‑up während einer Chemotherapie verboten?
Nicht gesetzlich, aber medizinisch meist nicht empfohlen. Die individuelle Entscheidung hängt von Therapie, Blutwerten und ärztlicher Einschätzung ab.
Kann ich PMU machen lassen, wenn ich nur noch Tabletten‑Therapie bekomme?
Bei oralen Therapien ist die Lage individuell unterschiedlich. Rücksprache mit dem Onkologen ist unerlässlich.
Wie finde ich ein vertrauenswürdiges Studio?
Suche nach Studio mit Erfahrung in onkologischer PMU, frage nach Referenzen, Hygienekonzept und arbeite eng mit deinem medizinischen Team zusammen.
Fazit und nächste Schritte
Permanent Make‑up während einer Chemotherapie ist ein sensibles Thema: Emotional sehr hilfreich, medizinisch aber mit Risiken verbunden. Die wichtigsten Schritte:
- Sprich zuerst mit deinem Onkologen über Blutwerte und Infektionsrisiken.
- Wenn möglich, plane PMU vor Therapiebeginn oder nach vollständiger Erholung (meist 3–6 Monate).
- Wähle eine Fachkraft mit Erfahrung in onkologischer Kosmetik und klaren Hygienestandards.
Wenn du möchtest, kann ich dir eine Vorlage für Fragen an dein Onkologenteam und das PMU‑Studio erstellen oder beim Formulieren einer Mail helfen.
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