Wie eine Abrollhilfe aussieht: Formen, Materialien und wie man sie erkennt
Abrollhilfen sind kleine, aber wirkungsvolle Veränderungen an Schuhen, die das Gangbild verbessern und Schmerzen im Vorfuß oder Mittelfuß lindern können. In diesem Artikel sehen Sie genau, wie eine Abrollhilfe aufgebaut ist, welche Formen es gibt und woran Sie sie am Schuh erkennen.
Eine Abrollhilfe ist keine einzelne standardisierte Vorrichtung, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene Schuhzurichtungen, die das Abrollverhalten des Fußes unterstützen. Optisch und konstruktiv unterscheiden sie sich je nach Zweck: von einer dezenten Wölbung in der Sohle bis zu sichtbaren Rollen-Formen unter dem Ballen. Im Folgenden erklären wir die gängigen Typen, Materialien, Einbauorte und geben Hinweise, wie Sie eine Abrollhilfe an einem Schuh erkennen können.
Hauptformen einer Abrollhilfe
- Ballenrolle (Vorfussrolle): Die häufigste Form. Von außen sieht man eine leicht nach vorne abgerundete Zone unter dem Ballen (Mittelfußköpfchen). Oft wirkt die Sohle hier etwas stärker profiliert oder „aufgekantet“.
- Fersenrolle: Eine kleine Abrundung im Bereich der Ferse, die das Abrollen vom Fersenaufsatz zum Vorfuß erleichtert. Optisch weniger auffällig als die Ballenrolle.
- Schmetterlings- oder Abrollrolle: Flügel- oder schmetterlingsförmige Einlage unter dem Vorderfuß. Diese Form verteilt Druck gezielter und ist an der Sohle häufig als eigener, leicht hervorstehender Abschnitt erkennbar.
- Vorgeformte Sohlensysteme (Rocker-Sohlen): Ganze Sohlen mit kräftiger, vorgewölbter Form (auch „rocker“ genannt). Hier ist das Abrollen nicht nur punktuell, sondern über die gesamte Sohlenform geregelt — sichtbar als gebogene Sohle von Ferse bis Vorfuß.
Wie sieht eine Abrollhilfe konkret aus?
Visuell können Sie eine Abrollhilfe an folgenden Merkmalen erkennen:
- Unter der Sohle: eine aufgesetzte oder integrierte, leicht gewölbte Zone im Bereich der Ballen oder Ferse.
- Von innen: eine Erhöhung oder Einlage im Bereich des Vorfußes, manchmal mit weicher Polsterung (Schaum, Gel).
- Profilveränderungen: die Profilsohle kann an der Stelle der Abrollhilfe anders geformt oder verstärkt sein.
- Optisch verdeckt: viele Schuhzurichtungen werden so gearbeitet, dass die äußere Optik (Laufsohle) erhalten bleibt — die Abrollhilfe ist dann nur durch genaues Hinsehen oder beim Blick in den Schuh erkennbar.
Materialien und Verarbeitung
Abrollhilfen werden aus unterschiedlichen Materialien gefertigt. Die Wahl hängt von gewünschter Elastizität, Haltbarkeit und Komfort ab:
- EVA-Schaum (leicht, dämpfend) – häufig für Einlagen und weiche Aufbauten.
- Kork – stabile, leichte Schicht, die sich gut an den Fuß anpasst.
- Thermoplaste (z. B. TPU) – formstabil, für sichtbare Rollen oder Rocker-Sohlen.
- Leder – wird oft im Innenbau verwendet, um Komfort und Form zu stabilisieren.
- Gel- oder Silikonpolster – punktuelle Druckentlastung im Ballenbereich.
Einbauort und Varianten: sichtbar vs. unsichtbar
Abrollhilfen können entweder äußerlich sichtbar in die Laufsohle eingearbeitet oder im Schuhinneren verborgen sein. Beispiele:
- Unsichtbar: Einlagen oder Untersohlenveränderungen, die unter dem Fuß sitzen, aber außen nicht auffallen. Beliebt bei eleganten Schuhen oder Unisex-Konfektionsschuhen.
- Sichtbar: Aufgesetzte Sohlenabschnitte, Rocker-Profile oder deutlich erkennbare Rollen. Häufig bei orthopädischen Schuhen oder speziellen Therapieschuhen.
Wann und warum werden Abrollhilfen eingesetzt?
Typische Indikationen sind:
- Hallux rigidus oder Hallux valgus
- Metatarsalgie (Schmerzen im Mittelfuß)
- Spreizfuß
- Arthrose in den Vorfußgelenken
- Allgemeine Verbesserung des Abrollverhaltens nach Operationen oder bei Gangstörungen
Sie entlasten empfindliche Gelenke, reduzieren Spitzendrücke und machen das Gehen ergonomischer.
Wie kann man eine Abrollhilfe erkennen — Checkliste
- Schauen Sie sich die Sohle von unten an: Gibt es eine deutlich gewölbte Zone im Vorfußbereich?
- Fühlen Sie mit der Hand entlang der Sohle: Spüren Sie eine Kante oder Auffüllung unter dem Ballen?
- Blicken Sie ins Innere: Liegt unter dem Fuß eine zusätzliche Schicht oder eine Einlage?
- Probestehen/Gehen: Spüren Sie ein leichteres Abrollen oder eine veränderte Druckverteilung beim Auftreten?
- Fragen Sie beim Schuhhersteller oder Orthopädie-Schuhtechniker nach — viele Betriebe (z. B. Orthopädie-Schuhtechnik) dokumentieren solche Zurichtungen.
Kosten, Haltbarkeit und Pflege
Die Preisspanne reicht von günstigen Fertigeinlagen (ab ca. 20–50 EUR) bis zu maßgefertigten Schuhzurichtungen durch den Orthopädieschuhmacher (ab ca. 60–200 EUR oder mehr, je nach Aufwand). Haltbarkeit hängt von Material und Nutzung ab: EVA- oder Gelsysteme nutzen sich schneller ab als harte Kunststoff- oder Lederschichten. Regelmäßige Kontrolle beim Fachbetrieb ist ratsam.
Wer stellt Abrollhilfen her und wo bekommt man sie?
Orthopädie-Schuhtechniker und spezialisierte Werkstätten fertigen individuelle Abrollhilfen. Auch manche Schuhhersteller und Sanitätshäuser bieten fertige Zurichtungen an. Für medizinische Indikationen beraten Orthopäden und Podologen — ein Rezept oder eine Verordnung kann je nach Krankheitsbild möglich sein. Beispiele für Anbieter und Informationen finden Sie bei orthopädischen Werkstätten und Kliniken (z. B. Anbieter von Schuhzurichtungen und orthopädischen Leistungen).
Weiterführende Links (Beispiele):
- Orthopädische Schuhzurichtungen (CW Hoffmeister)
- Schuhzurichtungen / Abrollhilfen (Pohlig GmbH)
- Ballenrolle – Erläuterung (Gelenk-Klinik)
Kurz-Fazit und Empfehlung
Optisch sind Abrollhilfen meist kleine Wölbungen, Rollen oder Einlagen im Bereich von Ballen oder Ferse. Sie können sichtbar als geformte Sohlenabschnitte oder unsichtbar im Inneren des Schuhs sitzen. Wer Schmerzen im Vorfußbereich hat oder vermutet, dass das Abrollverhalten des Schuhs nicht stimmt, sollte einen Orthopäden oder Orthopädie-Schuhtechniker aufsuchen. Eine Begutachtung klärt, welche Form und welches Material am besten passt — und ob die Krankenkasse eine Versorgung unterstützt.
FAQ — kurz
- Kann man eine Abrollhilfe in jedem Schuh einbauen? Meist ja, aber nicht bei sehr flachen oder sehr eng geschnittenen Schuhen. Ein Fachbetrieb prüft die Machbarkeit.
- Fühlt sich das Tragen anders an? Ja — anfangs ungewohnt, meist aber entlastend und komfortsteigernd.
- Sind Abrollhilfen nur für Ältere? Nein — bei entsprechender Indikation für alle Altersgruppen.
Bei Fragen zu Ihrem speziellen Schuh oder Schmerzen im Vorfuß empfehle ich einen Termin bei Ihrem Orthopäden oder einem Orthopädie-Schuhtechniker in Ihrer Nähe.