Viggos Größen: Welche Venenverweilkanüle passt zu welcher Anwendung?
Viggos (auch Braunülen oder Venenverweilkanülen genannt) gibt es in vielen Größen und Längen. Wer die passende Kanüle auswählt — sei es in der Notfallmedizin, bei Blutentnahmen oder bei der Infusionstherapie — spart Zeit, vermindert Komplikationen und verbessert den Therapieerfolg. Dieser Artikel erklärt, was hinter den Zahlen steckt, welche Größen es gibt und wie Sie die richtige Viggo auswählen.
Was sind „Viggos“?
Der Begriff „Viggo“ ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für periphere Venenverweilkanülen (engl. peripheral venous catheter). Medizinische Synonyme sind Venenkatheter, Braunüle oder Venflon. Sie werden zur kurz- bis mittelfristigen intravenösen Infusion, zur Medikamentengabe oder zur Blutentnahme in die peripheren Venen eingeführt. (Mehr Hintergrund: Wikipedia: Peripherer Venenkatheter.)
Was bedeutet „Größe“ bei Viggos?
Die Größe einer Viggo wird üblicherweise in Gauge (G) angegeben. Vereinfacht gesagt: je größer die Gauge-Zahl, desto kleiner der Durchmesser der Kanüle. Zusätzlich ist die Länge der Kanüle wichtig (z. B. 33 mm, 45 mm, 50 mm). Hersteller geben oft auch die ungefähre Außendurchmesser-Angabe in Millimetern an (z. B. G18 ≈ 1,3 mm).
Wichtige Begriffe kurz erklärt
- Gauge (G): Standardangabe für den Durchmesser – höhere Zahl = kleinerer Durchmesser.
- Länge: übliche Längen sind z. B. 33 mm, 45 mm, 50 mm; längere Kanülen werden bei schlecht tastbaren Venen oder bei adipösen Patienten eingesetzt.
- Farbcodierung: Viele Hersteller verwenden Farbkennzeichnungen zur schnellen Identifikation der Gauge; die Farbtöne können je nach Hersteller leicht variieren.
Übliche Viggo-Größen und ihre Einsatzgebiete
Die folgende Übersicht zeigt gebräuchliche Größen und typische Indikationen. Beachten Sie: Hersteller-Angaben zu Millimetern und Farben können variieren — bei Unsicherheit Orientierung an den Spezifikationen Ihres Lieferanten oder Klinikstandards.
- 14G–16G (groß): Große Bohrung für schnellen Volumenersatz und Bluttransfusionen, z. B. in der Notfall- und Traumaversorgung. Einsatz, wenn hohe Infusionsraten nötig sind.
- 18G: Vielseitig einsetzbar: CT-Kontrastmittel, größere Infusionsraten, perioperative Versorgung.
- 20G: Standardgröße bei Erwachsenen; guter Kompromiss zwischen Flussrate und Schonung der Vene. Häufig für postoperative Infusionen, Medikamente und Flüssigkeitstherapie.
- 22G: Kleinere Kanüle für ältere, dünne oder fragile Venen; auch bei ambulanten Infusionen und längerdauernden Therapien verwendet.
- 24G–26G (klein): Für Säuglinge, Kleinkinder oder sehr feine Venen; geringere Flussraten, geeignet für langsame Infusionen oder Medikamentengaben.
Länge beachten: Warum 33 mm vs. 50 mm?
Die Länge beeinflusst sowohl die Stabilität im Gefäß als auch die Chance, die Vene zu treffen. Kurze Kanülen (z. B. 33 mm) reichen bei gut sichtbaren und oberflächlichen Venen. Bei tief liegenden oder schlecht tastbaren Venen (adipöse Patienten, „schwere Venen“) sind längere Kanülen (45–50 mm oder spezielle Midline-Kathetersets) oft sinnvoll, um ein längeres Verweilen in der Vene zu ermöglichen.
Farbcodierung: Schnell erkennen — aber nicht blind vertrauen
Viele Zoll- und Herstellerstandards verwenden Farben zur Kennzeichnung der Gauge (z. B. grün für G18, gelb für G24 etc.). Allerdings weichen Farbtöne und Zuordnungen gelegentlich ab. Deshalb gilt: Verlassen Sie sich immer zusätzlich auf die aufgedruckte Größenangabe.
Wie wähle ich die richtige Viggo-Größe?
- Prüfen Sie die Indikation: Brauchen Sie hohen Infusionsfluss (große Gauge) oder schonendere Therapie (kleine Gauge)?
- Beurteilen Sie die Vene: Größe, Lage, Zustand (fragil, sklerosiert, nicht sichtbar).
- Patientenfaktoren: Alter, Hydratationsstatus, geplante Bluttransfusionen oder Kontrastmittelgabe.
- Berücksichtigen Sie Klinik- oder Herstellerempfehlungen (z. B. für CT-Kontrast wird oft ≥ 18G empfohlen).
Sicherheits- und Pflegehinweise
- Fixation: Kanüle gut sichern, um Dislokation und Phlebitis zu vermeiden.
- Kontrollen: Regelmäßig auf Rötung, Schwellung, Schmerzen oder fehlenden Rückfluss prüfen — bei Auffälligkeiten Kanülen entfernen und ggf. neu legen.
- Verweildauer: Empfehlungen variieren; viele Einrichtungen wechseln routinemäßig nach 72–96 Stunden oder bei klinischem Bedarf.
- Dokumentation: Gauge, Länge, Einstichstelle und Zeitpunkt des Legens dokumentieren.
Häufige Fragen (FAQ)
Welche Viggo für Bluttransfusion?
Für Bluttransfusionen werden in der Regel größere Kanülen (z. B. 16–18G) empfohlen, um hämolytische Belastungen zu minimieren und Infusionszeit zu verkürzen.
Welche Viggo beim CT-Kontrast?
Für Kontrastmittelinjektionen sind häufig 18G oder 20G empfohlen — abhängig von Kontrastmittelvolumen und Injektorrate. Klinische Vorgaben beachten.
Warum variieren die Farbcodes?
Farbcodes basieren auf internationalen Normen, die in der Praxis je nach Hersteller leicht abweichen können. Lesen Sie immer die Aufschrift auf der Verpackung oder Kanüle.
Quellen und weiterführende Links
- DocCheck Flexikon — Peripherer Venenkatheter: https://flexikon.doccheck.com/de/Peripherer_Venenkatheter
- Wikipedia — Peripherer Venenkatheter: https://de.wikipedia.org/wiki/Peripherer_Venenkatheter
- Herstellerinformationen (Beispiele): Praxindo / Produktseiten zu Vasofix/Braunülen
Fazit
„Viggos Größen“ sind mehr als nur Nummern: Gauge, Länge und der klinische Kontext bestimmen, welche Kanüle am besten geeignet ist. In Notfällen gelten größere Kaliber, bei fragilen Venen kleinere. Achten Sie auf Herstellerangaben, Klinikrichtlinien und regelmäßige Überprüfung der Einstichstelle — so reduzieren Sie Komplikationen und sichern eine effiziente Therapie.
Wenn Sie eine Kauf- oder Einsatzentscheidung treffen müssen: orientieren Sie sich an konkreten Indikationen (z. B. Bluttransfusion, CT-Kontrast, pädiatrische Infusion) und prüfen Sie die Produktdatenblätter Ihres Lieferanten.
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