Selbstständige Alltagsbegleiter: Praxisleitfaden für Gründung, Abrechnung und Kundenakquise
Sie möchten als selbstständige Alltagsbegleiterin oder selbstständiger Alltagsbegleiter arbeiten, wissen aber nicht, welche Schritte nötig sind? Dieser Leitfaden erklärt praxisnah Qualifikationen, rechtliche Anforderungen, Abrechnungsmöglichkeiten und Marketing‑Tipps — damit Ihre Gründung sicher und zielgerichtet gelingt.
Was macht ein selbstständiger Alltagsbegleiter?
Alltagsbegleiter unterstützen ältere oder pflegebedürftige Menschen in ihrem täglichen Leben: Gesprächsangebote, Begleitung bei Spaziergängen oder Arztbesuchen, einfache Hausaufgaben, Unterstützung bei Freizeitaktivitäten und Entlastung pflegender Angehöriger. Wichtig ist die Abgrenzung zu medizinischen oder pflegerischen Leistungen: Körperliche Pflege (z. B. Injektionen, Wundversorgung) bleibt Fachkräften vorbehalten.
Wichtige Voraussetzungen und Qualifikationen
- Soziale Kompetenzen: Empathie, Zuverlässigkeit, Kommunikationsfähigkeit.
- Fachliche Basis: Kurse in Alltagsbegleitung, Demenzbegleitung oder Betreuungskräfte nach anerkannten Anbietern erhöhen Vertrauen und Marktchancen.
- Sichtbare Nachweise: Erste‑Hilfe‑Schein, erweitertes Führungszeugnis (auf Nachfrage der Kunden) und ggf. Impfnachweise.
- Gewerberechtlich: Meist ist eine Gewerbeanmeldung nötig — prüfen Sie regionale Regelungen.
Rechtliche Schritte: Anmeldung, Genehmigungen und Status
Der Weg zur selbstständigen Tätigkeit beinhaltet mehrere Standardaufgaben:
- Gewerbeanmeldung beim örtlichen Gewerbeamt (sofern keine freiberufliche Einstufung vorliegt). Ein Überblick findet sich z. B. bei der Online Pflegeakademie: Gewerbe & Voraussetzungen.
- Klärung der sozialversicherungsrechtlichen Lage: Krankenversicherung, Rentenversicherung und ggf. freiwillige Beiträge — informieren Sie sich frühzeitig bei Ihrer Krankenkasse und der Deutschen Rentenversicherung.
- Steuern: Anmeldung beim Finanzamt (Steuernummer), evtl. Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG prüfen. Unterstützung bieten Gründungsportale wie das Existenzgründungsportal: erste Schritte.
- Versicherungen: Berufshaftpflicht (wichtig bei Patientenkontakt), Betriebshaftpflicht, ggf. Unfallversicherung.
Abrechnung: Mit Kunden und mit Pflegekassen
Selbstständige Alltagsbegleiter rechnen in der Regel direkt mit Kundinnen und Kunden ab. In manchen Fällen sind Leistungen ganz oder teilweise über Pflegekassen abrechenbar (z. B. Entlastungsleistungen, Angebote im Rahmen von niedrigschwelligen Betreuungsleistungen oder bei spezieller Anerkennung nach gesetzlichen Regelungen). Die Bedingungen variieren regional und nach Bundesland.
Praktische Hinweise:
- Informieren Sie sich bei der zuständigen Pflegekasse: welche Leistungen werden ersetzt, welche Nachweise sind nötig (Leistungsnachweise, Rechnungen)?
- Dokumentation: Führen Sie Besuchsprotokolle, Leistungsnachweise und Rechnungen sauber — das erleichtert Abrechnung mit Kassen und Ihren Kund:innen.
- Rechnungsmanagement: Klare Stundensätze, AGB und Zahlungsbedingungen vereinbaren (z. B. Zahlungsziel 14 Tage, Stornobedingungen).
Weiterführende Hinweise zur Gründung eines Betreuungsdienstes und Abrechnung finden Sie u. a. bei Selbststaendigkeit.de und Pflegejurist.de.
Preise: Was können Sie verlangen?
Die Honorare richten sich nach Qualifikation, Region und Leistungsumfang. Übliche Spannen bewegen sich häufig zwischen 15€ und 35€ pro Stunde. Spezialisierte Angebote (z. B. Demenzberatung, Gruppentrainings) ermöglichen höhere Sätze. Kalkulieren Sie Ihre Selbstkosten (Versicherungen, Fahrtkosten, Verwaltung, Steuern) in die Preisbildung ein.
Marketing und Kundengewinnung
Ein gezieltes Marketing hilft beim Aufbau eines stabilen Kundenstamms:
- Netzwerk: Kooperationen mit Pflegediensten, Hausärzten, Sozialstationen und Seniorenberatungsstellen.
- Online‑Sichtbarkeit: Einfache Website, Google My Business, lokale Verzeichnisse. Nutzen Sie Keywords wie „selbstständige Alltagsbegleiter“, Stadtname und „Betreuung Zuhause“.
- Offline: Flyer in Apotheken, Arztpraxen, Gemeinden; Vorträge oder Info‑Stände bei Seniorennachmittagen.
- Bewertungen und Referenzen: Ermutigen Sie zufriedene Kunden zur Empfehlung und zur Abgabe von Bewertungen — Vertrauen ist entscheidend.
Finanzierung, Fördermittel und Förderprogramme
Für Gründungen gibt es verschiedene Förderangebote: Beratungsgutscheine, Gründerkredite, Mikrokredite oder Existenzgründercoaching. Die örtliche IHK kann Informationen und Webinare bieten (z. B. IHK‑Angebote). Prüfen Sie auch regionale Förderprogramme und mögliche Zuschüsse für Qualifizierungsmaßnahmen.
Checkliste: Erste 10 Schritte zur Selbstständigkeit
- Leistungsspektrum definieren (z. B. Begleitung, Betreuung, Demenzangebote).
- Qualifikationen & Nachweise sammeln (Kurse, Erste Hilfe, Führungszeugnis).
- Marktrecherche: Konkurrenz, Preise, Nachfrage im Einzugsgebiet.
- Gewerbeanmeldung und Finanzamt informieren.
- Versicherungen abschließen (Berufshaftpflicht etc.).
- Preise kalkulieren und AGB erstellen.
- Marketingmaterial erstellen: Website, Visitenkarten, Flyer.
- Netzwerk aufbauen: Pflegedienste, Ärzte, Gemeinden ansprechen.
- Rechnungswesen einrichten: Musterrechnungen, Buchhaltungstool.
- Erste Kundentermine und klare Dokumentation der Leistungen.
Typische Fehler — und wie Sie sie vermeiden
- Unklare Leistungsschnittstellen zur Pflege vermeiden: Definieren Sie genau, welche Unterstützung Sie leisten und wann eine Fachkraft erforderlich ist.
- Unzureichende Absicherung: Eine passende Haftpflicht ist kein Luxus, sondern Basisabsicherung.
- Kein Marketing: Warten auf Kunden funktioniert selten — aktiv Netzwerken ist entscheidend.
Fazit
Die Tätigkeit als selbstständige Alltagsbegleiterin oder als selbstständiger Alltagsbegleiter bietet eine sinnstiftende Möglichkeit, Menschen im Alltag zu unterstützen und dabei selbstständig zu arbeiten. Entscheidend sind klare rechtliche Klärung, professionelle Absicherung, saubere Dokumentation und aktives Marketing. Nutzen Sie die verlinkten Ressourcen für vertiefte Informationen und starten Sie mit einer konkreten Schritt‑für‑Schritt‑Planung.
Weiterführende Links:
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